Die Sonntagsandacht der Evangeliken stand heute unter dem Begriff Beschleunigung, und der Pastor kam aus der gleichnamigen Nachbargemeinde, wie der Fluß hier heißt.

In gewisser Weise beklagte er sich, dass heute alles noch schneller, als schnell geht, ja das muß erst mal so. In der Politik und jeden Tag was anderes, ja dies muß.

Wirtschaftswachstum exponentiell, war richtig, auch die Wand die da kommt. So steil kann dann keiner mehr. Nur mit CO2 hat dies nichts zu tun. Die Ressourcen auf dem Planeten sind ausreichend vorhanden und werden nach den aktuellen Fähigkeiten der Menschen genutzt, alles so gewollt, niemand braucht sich Sorgen machen, Herr Pfarrer.

Der Brexit ist notwendig, Herr Pfarrer, um das britische Seerecht aus der EU zu lösen, um dort eventuell einen ganz anderen Neustart hinzubekommen. Vorher muß die EU erst mal scheintot sein! Und demokratisch war die Abstimmung in GB allemal. Die Briten sollten auch keinerlei Angst davor haben, das wird.

Ja das Problem der Jugend und ihrer Demonstrationswut, auf der einen Seite ihre Gallionsfigur, auf der anderen Seite die harten Linken, mit dem Geldsystem im Off, die schon immer steuernd im Hintergrund standen, nun zum Heft greifen, wo die Ikone, zarte Ansätze eigenem Denkens entwickelt. Wollte sie schon in die Verwirrung schicken, hab mich aber zurückhalten lassen, das wird.

Ach ja, Herr Pfarrer, wenn es doch irgendwo auf dem Planeten eine echte Demokratie gäbe, könnte man auch Verluste diesbezüglich zählen.

Da er schon ankündigte, keine Zeit zu haben, machte ich mich diesmal schnell auf die Socken, zur anderen Konfession.

Das Haus ist auch innen erheblich größer, war wärmer, war rappelvoll, ich erlebte noch eine viertel Stunde der Feier. Die Luft war voll von dem Weihrauch, und machte den Kopf auch nebelig. Der Pfarrer leerte zwei Kelche, Messwein denk ich.

Es gab zumindest die eine Abkündigung, welche ich auf dem Friedhof zu einem prächtigen Grab schon wahrgenommen hatte.

Es wurde noch ein Lied gesungen, neue und alte Messdiener geehrt, und die Prozession nach draussen angetreten. 

Da bin ich natürlich hintendrein, nur die waren wech im ersten Moment. Nein sie standen an der rechten Seite des Schiffes, um den Strom der Menschen hinaus zu lassen. Der Pfarrer in seinem Putz, mit Rosenornamentik auf weiß, freute sich, mich zu sehen, und meinte, ja die Freude steckt an. Ich dachte ein sehr strenges Gesicht gemacht zu haben, und drehte eine Runde ums Haus, sehr ungläubig.

Einmal rum ums rote Natursteingebäude, war die Gruppe in weiß dabei, sich zu sammeln für ein Photo. Ich nutzte die Gelegenheit und fragte den Pfarrer, wer denn der Herr und wer der Gott sei, der da vorher in der Kirche angesprochen wurde. Der Herr sei Jesus Christus, das mit dem Gott ging irgendwie in der Freude, mit der er strahlte unter. Hatte allerding mehr den Eindruck, dies galt dem etwas mongoliden Herrn Messdiener, dem er überschwänglich den Arm über die Schulter legte. Dieses Problem bedarf unbedingt einer Lösung! Ich mogelte mich, glaub ich, mit aufs Bild, zumindest sah ich die Linse.

Ich kaufte mir noch etwas zum Schlecken, und ging meiner anderen Wege.

Im Park traf ich auf eine Traube von Leuten auf nassen Stühlen sitzend, die einem Lautsprecher lauschten, der wiederum mit einem Kabel verbunden war an dessen Ende ein Mikrofon an einem Ständer angeklemmt schien. Dahinter stand ein Herr mit buntem Brillengestell auf der Nase, und hielt eine Rede.

Dies war warum? alles sehr leise, musste also näher ran. Es war eine Wohlfahrt die da was zelebrierte? Ah zur Feier des Tages sollte ein Baum gepflanzt werden, ein Speierling (Sorbus domestica) aus der Familie der Rosengewächse, wie ich wohlwollend vernahm, was seltenes. Soll in unseren Breiten so um die 110 Jahre erreichen, normal wohl 400.

Es wurde dann zum Baum geschlendert, der auf Höhe der Bienen, auf der anderen Seite des Weges in der Wiese in einem Loch stand. 

Viele Worte fielen hier dann insbesondere von den beiden interkonfessionell auftretenden Geistlichkeiten, wobei der eine irgendwie meinen Stil immitierte, also Binder mit blau und Goldstreifen drin, Stockschirm, und Stoffbeutel. Nur warum war auf diesem so ein Pleitegeier aufgedruckt?

Der Baum bekam einige Spritzer, in homöopathischer Dosis vorhandenem Weihwassers ab, der Bürgermeister organisierte, dass es wohl ein Bild gibt, auf dem alle drei Spaten und eine Schaufel gleichzeitig auf sein Kommando in Aktion zu sehen sein werden.

Weiter wurde ein großer Check mit tragenden Personen abgelichtet, und die Leut trollten sich Richtung angekündigter freier Verpflegung.

Ich erhob meinen Schirm und rief ihnen nach, hier steht noch ein Baum, soll der jetzt verhungern? Bis auf vier wollte dies niemand hören. Ich fragte wie denn der Plan für den Baum sei? Er würde am Montag wohl von den Stadtgärtnern eingepflanzt. So richtig bestimmt klang dies nicht.

Wir waren nun noch zu dritt. Der der das Loch privat ausgehoben hatte, ein älterer Herr, ein junger Gartenbaumeister und ich. Der jüngste fing an mit der Schaufel dem Baum Erde zu geben, ich zierte mich etwas, wegen meiner Willedernen und dem lehmigen Boden. Packte dann all meinen Balast auf die Hecke, verstaute den Binder unter dem Hemd und machte mit.

Wir kamen ins Gespräch bei der Arbeit, und ich glaube der Samen ist gelegt. Ich berichtete etwas von dem auch hier vorher aufgezeigten. Warum es kein THW mehr gibt wusste er nicht, nur, dass auch er nach dem Sturm eine Anfrage bekam, beim Schadenbeseitigen mitzutun. Nur war wohl der Versicherungsschutz völlig offen, weswegen er damals ablehnte. Nun muss ich nur noch die Krämerseele finden.

Er gab zum Schluss dem Baum das Wasser aus der bereitstehenden blechernen Gießkanne, bedankte sich für die Mitarbeit, und ging Richtung Verpflegung. Ich trollte mich.

Schaun mer mal, wer älter wird.

https://www.main-echo.de/unser-echo/gruppen/AWO-Ortsverein-Alzenau;verein0,3248,B::AWO-Alzenau-Aktion-Hilfe-fuer-beduerftige-Kinder-in-Alzenau-Spendenuebergabe;art293497,6840553

Hier sieht man die, welche meinten genug getan zu haben.

Und wenn ich mir den Herrn so anschau, es könnte derselbe sein, der bei meinem Horrorgang auf den Weinberg, am Anfang mit feinem Stock, komplett in schwarz, voranschritt, nur ich laufe immer kurze Wege, auch wenn sie schwerer sind!

Mit Liebe.

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